Kleinbahnverein Rothenburg/O.L e.V.

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Geschichte
Rothenburg, Kreisstadt im ehemaligen Regierungsbezirk Liegnitz, zählte Mitte des letzten Jahrhunderts 4 800 Einwohner. Die Stadt liegt am östlichen Rand des Oberlausitzer Heide- und Teichgebietes. Die Vertreter der Stadt und die umliegenden Gutsbesitzer waren dem neuen Verkehrsmittel Eisenbahn gegenüber wenig aufgeschlossen. Bei der ersten Projektierung der Berlin-Görlitzer Eisenbahn hatte Henry Bethel Strousberg eine Linienführung über Rothenburg vorgesehen. Aber in Rothenburg befürchteten diese konservativen Kreise ein "Abwandern von Arbeitskräften und eine Ansiedlung von Industrie".
Diese Situation nutzte der weitsichtige Rittergutsbesitzer und Kreisdeputierte Rodig in Uhsmannsdorf aus und verhandelte erfolgreich mit Strousberg über eine Linienführung von Görlitz über Horka und Uhsmannsdorf nach Weißwasser. Am 26. Januar 1858 wählte die Stadtverordnetenversammlung von Rothenburg eine Kommission, die für die Streckenführung über Rothenburg wirken sollte. Leider erfolglos, die Stadt sollte noch fast 40 Jahre auf einen Eisenbahnanschluß warten. Ein letzter Versuch war ein Gespräch mit Abgeordneten der Stadt Rothenburg im Berliner Ministerium der öffentlichen Arbeiten am 20. November 1864. Mit Baubeginn im Jahr 1865 stand fest: Die Strecke führte an der Stadt vorbei, wie auch die östlich der Neiße gelegenen Eisenbahnen. Auch die von der Oberlausitzer Eisenbahn-Gesellschaft 1874 in Betrieb genommene Strecke Kohlfurt-Falkenberg durchzog zwar dieses Gebiet, führte jedoch nicht an Rothenburg heran. In Horka war mit Eröffnung dieser Strecke endgültig ein wichtiger Eisenbahnknoten entstanden, zu dem ein Personen- und ein Rangierbahnhof gehörten, doch war es weiterhin beschwerlich, in die östlich gelegenen Dörfer zu reisen oder die Kreisstadt zu erreichen.
Zu dieser Zeit existierten Vorstellungen für eine Pferdebahn von Horka nach Rothenburg. Die Stadt stellte Geld für die Vorarbeiten und das Bahnhofsgebäude in Aussicht. Neue Projekte verhinderten diese Pläne, dazu zählten eine Bahnverbindung zwischen Sagan und Bautzen über Uhsmannsdorf. Am 4. Deptember 1887 kam es in Muskau zu einem Interessententreffen für eine neue Eisenbahnstrecke von Hansdorf über Muskau nach Bautzen. Im folgenden Jahr zog das sächsische Staatsministerium die Konzession bis Bautzen zurück. Nach drei weiteren Jahren konnten sich die Interessenverbände auf die Streckenführung Priebus-Rothenburg-Horka mit einem Abzweig von Priebus nach Muskau einigen. Bei einer Untersuchung hatte man eine jährlich zu erwartende Beförderung von 1 400 Wagen errechnet. Mit diesen Zahlen wandten sich Graf Arnim von Muskau und der Herzog von Sagan am 7. April 1892 an die Minister von Thielen (öffentliche Arbeiten) und Miquel (Finanzen). Beide waren einverstanden, sicherten allerdings keine finanzielee Unterstützung zu. Der Kleinbahnunterstützungsfonds wurde zur Unterstützung schwacher Regionen generell erst ab 1895 gewährt. Finanzminister Miquel hatte dem Bahnkomitee vorgeschlagen, daß es beim Landtag Geld beantragen sollte. Der Magistrat bewilligte Ende 1892 zuerst 300, später 400 Mark für die Vorarbeiten. Im Mai 1895 erklärte sich die Münchener Lokalbahn AG (LAG) bereit, in Verlängerung der in Bau befindlichen Strecke von Hansdorf nach Priebus Vorarbeiten für die Verbindung Priebus-Horka zu übernehmen.
Mit Unterstützung der LAG schien der Bahnbau nun gesichert, aber es wurde wieder sehr ruhig um das Vorhaben. Erst eine Petition des Landtagsabgeordneten Rischwitz an Minister Thielen ergab, daß eine Kleinbahn gebaut werden sollte, wozu eine größere Summe aus dem Kleinbahnunterstützungsfonds in Aussicht gestellt wurde. Trotzdem gab die LAG im Juli 1899 den Streckenbau Priebus-Horka endgültig auf. Priebus war am 1. Oktober 1895 über die Nebenbahn nach Hansdorf mit der Staatsbahnstrecke Frankfurt (Oder)-Kohlfurt verbunden. Die Nebenbahn Hansdorf-Priebus hatte die LAG gebaut und führte danach auch den Betrieb. Die auf Veranlassung der preußischen Regierung aus der LAG hervorgegangene Lausitzer Eisenbahn AG (LEAG) beabsichtigte 1899 eine Bahn von Priebus nach Penzig zu bauen. Das Rothenburger Komitee wandte sich mit der Bitte an von Thielen, die von der LEAG geplante Strecke nicht zu genehmigen. Danach erhielt am 18. April 1900 die Berliner Fa. Freudenstein & Co die ministerielle Genehmigung, erste Vorarbeiten für eine Kleinbahn Horka-Rothenburg-Priebus auszuführen. Auf diesem Zustand ruhten sich offenbar alle Beteiligten aus, denn aus Unzufriedenheit über die schleppenden Vorarbeiten bildete sich ein neues Komitee unter Leitung von Amtsvorsteher Guido Kade aus Sänitz, das kurze Zeit später die Kleinbahn AG Horka-Rothenburg-Priebus gründete.

Quelle: Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen - Hans-Dieter Rammelt - Thüringen/Sachsen - transpress  Strecken * Fahrzeuge * Betrieb

15.06.2018
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