Kleinbahnverein Rothenburg/O.L e.V.

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Geschichte
Einen spürbaren Aufschwung erlebten die von der Kleinbahn erschlossenen Orte und Gemeinden nicht. In beiden Richtungen verkehrten in der Anfangszeit vier Zugpaare, alle als GmP. An den Wochenenden und mittwochs verkehrte ein zusätzliches Zugpaar zwischen Horka und Rothenburg. Die Fahrpreise wurden nach einer Zoneneinteilung gebildet und lagen etwas über den Staatsbahntarifen. Beim Güterverkehr wurde zu den Normaltarifen der Staatsbahn ein Zuschlag erhoben.
Nach dem ersten Weltkrieg verkehrten auch auf kurzen Abschnitten, z.B. zwischen Biehain und Dobers-Leippa, planmäßig Güterzüge. Infolge des Verkehrsrückganges in den zwanziger und dreißiger Jahren wurde ein durchgehendes Zugpaar gestrichen, es verkehrte dafür je ein Früh- und Mittagszug zwischen Horka und Rothenburg. Anfangs hatte Lenz & Co versucht, die Einnahmeverluste durch Tariferhöhungen auszugleichen. Ein weiterer Verlust war der Wegfall der Postbeförderung. Lenz & Co hatte die Einnahmeverluste durch Stützungen übernommen, indem die Schuld auf das kommende Jahr überschrieben und im Bahngrundbuch gesichert wurde. Ende 1931 erklärte die Gesellschaft, künftig diese Verfahrensweise nicht mehr zu praktizieren. Ein größeres Aktienpaket sollte im Kurs von 25 % verkauft werden. Die Deutsche Bank kaufte zu 15 % Aktien im Wert von 25 000 Mark. Aus dem Überschuß wollte man Kraftwagen anschaffen und ein eigenes Liniennetz aufbauen. Immer mehr Betriebe beförderten ihre Frachten mit dem LKW. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den verlorenen Verkehr zurückzugewinnen, entwarf die RBD Halle einen Billigtarif, an dem sich die KHRP beteiligen sollte. Es war beabsichtigt, die Transporte der Natronzellstoff- und Papierfabrik in Priebus zurückzugewinnen. Die Kleinbahn mußte die Vorschläge annehmen, da sich auch die Lausitzer Eisenbahn AG mit Billigtarifen um das kleine Transportaufkommen bemühte.
Von Ende Oktober bis Anfang November 1930 war das Kleinbahngleis zwischen km 0,7 und 1,2 wegen Hochwasser überflutet und konnte nicht befahren werden. Nur für diesen kurzen Zeitraum genehmigte die für die Kleinbahn zuständige RBD Halle das Befahren der Staatsbahngleise auf dem Steckenabschnitt Biehain bis DR-Bahnhof Horka, wodurch Zugausfälle auf der Kleinbahn vermieden werden konnten.
Wie bei vielen anderen Kleinbahnen war auch hier der zunehmende Autoverkehr Schuld an dem Verkehrsrückgang. Irgendwie fand man aber immer wieder einen Ausweg, und der Verkehr, teilweise mit Einschränkungen, ging weiter. Nach 1933 wurde Horka von den neuen Machthabern in Wehrkirch umbenannt. Danach firmierte die Bahn unter "Kleinbahn AG Wehrkirch-Rothenburg-Priebus". Nach 1945 wurde wieder die alte Bezeichnung Horka eingeführt.
In den letzten Wochen des zweiten Weltkieges fanden um Rothenburg Kämpfe statt, in deren Folge die Stadt schwer zerstört wurde. Die Auswirkungen auf die Kleinbahn waren verhältmismäßig gering. Neben kleineren Schäden an den Anlagen und dem Empfangsgebäude in Rothenburg war vor allem die Sprengung der Neißebrücke ein schwerer Verlust. Die Brücke sollte nicht wieder aufgebaut werden, da die Neiße nach dem Krieg zum Grenzfluß Richtung Polen wurde und weder auf deutscher noch auf polnischer Seite Interesse an einem durchgehenden Verkehr bestand. Wie auf anderen Bahnen des Lenz-Konzerns wurde auch auf der KHRP das rollende Material vor der anrückenden Front in Richtung Westen abgefahren. Mit einem Großteil des rollenden Materials war die gesamte Belegschaft auf der Flucht. Sie war bis nach Aschersleben gekommen und hat dort das Kriegsende erlebt. Sie leistete bei der Aschersleben-Schneidlingen-Nienhagener Kleinbahn, die über die "Allgemeine Deutsche Eisenbahn Gesellschaft" der Holding "Aktiengesellschaft für Verkehrswesen" unterstand, Dienst und half in der Landwirtschaft bzw. bei Handwerksbetrieben aus. Ende Juli 1945 wandte sich der Kreisbürgermeister von Rothenburg mit der Bitte an die Landesverwaltung Sachsens, daß diese sich beim Kommandanten der Rbd Dresden für eine Bescheinigung zur Überführung der Fahrzeuge von Aschersleben nach Rothenburg einsetzen sollte. Im September 1945 kehrten Personal und Fahrzeuge nach Rothenburg zurück.
Am 1. August 1945 hatten sich die Alliierten auf der Potsdamer Konferenz auf die neue polnische Westgrenze geeinigt. Die bis zu diesem Zeitpunkt zu Niederschlesien gehörenden Gebiete auf der östlichen Seite der Neiße wurden der Regierung des Landes Sachsen unterstellt. Auch die Grenzen der Reichsbahndirektionen wurden neu festgelegt. Aus den östlichen Teilen der Reichsbahndirektionen Halle und Dresden sowie einem südlichen Teil der Rbd Berlin wurde am 1. Oktober 1945 die Rbd Cottbus gegründet. Ein Teil der KHRP lag jetzt im Land Sachsen und unterstand der Bahnaufsicht der Rbd Cottbus. Dadurch konnte die Kleinbahn weder den Landesbahnen in Sachsen-Anhalt noch denen in Brandenburg zugeordnet werden. Im Zentralverordnungsblatt der Deutschen Wirtschaftskommission vom 8. April 1949 wurde die KHRP als eine der ganz wenigen Bahnen noch als AG geführt. Die Kleinbahn kam damit als eine nicht enteignete Bahn in die Nutzung der DR.
Mit der Verwaltungsreform war Niesky zur Kreisstadt ernannt worden, womit der Berufsverkehr auf der Bahn etwas anstieg. Der erste Zug verkehrte früh 4 Uhr von Steinbach nach Horka. Die positive Entwicklung wurde unterbrochen, als der Kraftverkehr durchgehende Linien nach Niesky und Görlitz einrichtete. Viele Reisende wanderten von der Bahn ab. Anfang der sechziger Jahre richtete die DR für einige Züge Schienenersatzverkehr, zum Teil bis nach Niesky, ein. Den Reiseverkehr gleich ganz einzustellen, entschloß man sich zunächst nicht, weil die Bahnreisenden Fahrpreisermäßigungen in Anspruch nahmen, die es beim Kraftverkehr nicht gab. Als dann die Lösung in Form eines Ausgleichs gefunden worden war, wurde mit dem 27. September 1967 der Reiseverkehr eingestellt. Bereits ein Jahr zuvor hatte man damit begonnen, den Wagenladungsverkehr zu konzentrieren. Zuerst stellte man diesen Verkehr auf den Bahnhöfen Nieder Neundorf und Biehain ein, am 15. November 1967 folgten Horka und Steinbach und am 31. Dezember Lodenau. Dafür bildete man in Rothenburg einen Wagenladungsknoten, auf dem vor allem die Bäuerliche Handelsgenossenschaft im Jahr etwa 1700 Wagen entlud. Auf dem Streckenabschnitt Lodenau-Steinbach stellte man 1968 den Betrieb ein und baute kurze Zeit später die Strecke zurück. Auf dem Reststück verkehrten täglich drei Güterzugpaare, die von einer V 15 (heute BR 311) des Bw Görlitz gezogen wurden. Vor der Wende wurde der Streckenabschnitt Horka-Lodenau als Anschlußbahn betrieben, danach schrumpfte der Verkehr auf ein unbedeutendes Minimum ab. Der Rückbau der restlichen 12,6 km ist nur noch eine Frage der Finanzierung.

Quelle: Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen - Hans-Dieter Rammelt - Thüringen/Sachsen - transpress Strecken * Fahrzeuge * Betrieb
21.09.2018
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